Gartenpflanze des Jahres

Zur Gartenpflanze des Jahres wurde 2017 der Holunder gewählt. Dieses heimische Gehölz überzeugt durch fantastische Blüten, Pflegeleichtigkeit und verwertbare Früchte.


Der Holunder

Vor dem Holunder soll man den Hut ziehen. Diese Volksweisheit bezieht sich auf den Schwarzen Holunder, eine der drei heimischen Holunderarten. Die Gattung Sambucus umfasst weltweit über zehn Arten. Davon sind der Schwarze Holunder (Sambucus nigra), der Rote Holunder (Sambucus racemosa) und der Zwergholunder (Sambucus ebulus) in Mitteleuropa beheimatet. Der Schwarze Holunder ist eine der ältesten Heil- und Nutzpflanzen, die vom Menschen genutzt werden. Die Blüten und die Beeren werden heute noch als Lebensmittel, Farbstoff und Heilmittel verwendet.

Neben den verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten in der Küche und als Färbemittel, ist der Holunder eine sehr schöne Zierpflanze. Die Blüten bereichern jeden Garten und werden gerne von Insekten besucht. Die breitaufrechten, stark verzeigten Sträucher bzw. Kleinbäume können als Solitärgehölz, in Gruppen oder als breite Hecke gepflanzt werden. Holunder ist sehr anpassungsfähig und verträgt auch schattige Standorte. Er bevorzugt jedoch frische, nährstoffreiche Böden. Holunder ist in der Pflege anspruchslos.


Mythen, Märchen und Legenden

Zahlreiche Bräuche und Mythen ranken sich um den Schwarzen Holunder. Er wurde gerne als Hausbaum gepflanzt, da er vor Blitzeinschlag und Feuer schützen soll. Seine Eigenschaft unverwüstlich zu sein, galt als Symbol für starke Lebenskraft. Die Germanen meinten, dass im Holunder ein guter Hausgeist lebt und daher soll man den Hut ziehen. Dieser Geist lieferte das Vorbild für Grimm's Märchenfigur Frau Holle. Die Schneeflocken beziehungsweise das Gold, das Frau Holle ausschüttelt, sind die weißen Blütensternchen des Schwarzen Holunders. Das Pech sind die schwarzen Beeren. Alle können ein Lied davon singen, die schon versucht haben, solche Flecken von den Kleidern zu entfernen. Es gibt jedoch auch einige negative Vorstellungen. So kündigt ein verdorrter am Haus stehender Holunderbusch den Tod eines Familienmitglieds an. Auf Grund der Verwandlungsfähigkeit von Hexen in einen Holunderzweig wurden aus Holunderholz weder Möbel hergestellt noch wurde es als Fußbodenbelag verwendet. Kinder, die in eine Wiege aus Holunder gelegt worden seien, konnten einem Raub durch Frau Holle zum Opfer fallen.

Blüten

Im Frühsommer blühen am jungen Holz die zahlreichen Blüten des Holunders. Die flachen Schirmrispen haben einen Durchmesser bis zu 20 cm. Die meisten Holunderarten blühen cremeweiß. Es gibt jedoch auch Züchtungen mit rosa Blüten. Die Blüten sind aufgrund ihres Nektars bei Bienen, Schwebefliegen und anderen Insekten sehr beliebt. Die duftenden Rispen lassen sich auch leicht zu Sirup, Limonade und Süßspeisen verarbeiteten. Der Holunderblütensirup in der Bowle gehört wohl genau wie Grillen zum richtigen Sommerfeeling!

Früchte

Sowohl die Früchte des Schwarzen Holunders als auch die des roten Holunders können zu Koch, Gelee, Marmelade oder Saft verarbeitet werden. Die Früchte haben einen hohen Anteil an Vitamin C und reifen von August bis September. Sobald sich alle Früchte blauschwarz verfärbt haben, schneidet man bei der Ernte die gesamte Fruchtdolde ab und entfernt anschließend einzelne verdorbene oder noch unreife Beeren. Mit einer Gabel als „Kamm“ lassen sich die übrigen Beeren leicht von den Stielen lösen. Man kann sie allerdings auch zunächst samt Dolde einfrieren und im gefrorenen Zustand dann einfach abschütteln. Da die Beeren auch den Vögeln sehr gut schmecken muss man mit der Ernte rechtzeitig beginnen oder ein Netz verwenden.

Achtung: Die Früchte des Zwergholunders oder Attich sind giftig und dürfen auf keinen Fall gegessen werden. Die Früchte sehen denen des Schwarzen Holunders sehr ähnlich. Der Attich ist jedoch eine Staude und kein Gehölz und die Blätter riechen sehr unangenehm.

Sorten

In den Österreichischen Baumschulen erhält man eine Auswahl an verschiedenen Sorten für unterschiedliche Zwecke. Die Sorte 'Haschberg' zeichnet sich durch große Dolden und hohen Fruchtertrag aus. Die Sorte 'Black Beauty' hat schwarzrote Blätter und rosa Blüten. 'Black Lace' sieht ähnlich aus, die Blätter sind nur stark geschlitzt. Für kleine Gärten eignet sich die Sorte 'Black Tower', ein säulenförmiger Holunder. Mit weißen Blüten und geschlitzen Blättern beeindruckt 'Lacinata'.

Welche Sorte am besten für den eigenen Garten geeignet ist, erfährt man in der Baumschule direkt beim Fachmann. Finden sie die nächst gelegene Baumschule auf www.baumschulinfo.at.